Tourismus auf Mallorca

Neben der Verbesserung der Umweltqualität in den bestehenden „massentouristischen“ Zentren setzt das Konzept des Qualitätstourismus auf die Erneuerung und Diversifizierung des Urlaubsangebotes abseits des klassischen Badetourismus. Es verfolgt die Aufhebung der engen räumlichen und zeitlichen Begrenzung des Tourismus auf die Küsten bzw. die Sommermonate. Ein gleichbleibender bzw. wachsender wirtschaftlicher Gewinn ohne weitere Zunahme der absoluten Touristenzahlen ist das erklärte Ziel. Nautischer Tourismus, Residenzialtourismus, Golftourismus und Agrotourismus sind die Standbeine des Qualitätstourismus, die eine finanzkräftige Klientel auf die Insel bringen sollen, um so auch bei zurückgehenden Urlauberzahlen wirtschaftlich überleben zu können.

Mallorca hat sich seit Beginn der 1990er Jahre innerhalb der Balearen zum Zentrum für nautischen und Golftourismus etabliert. 72 % aller Anlegeplätze der Balearen und 88 % aller Golfplätze befinden sich auf Mallorca. Mit über 140 000 Liegeplätzen in 45 Sport- und Yachthäfen stellt die Insel 10 % aller Yachtanlegestellen des westlichen Mittelmeergebietes. Nautischer und Golftourismus gehen Hand in Hand mit der Errichtung eines hochwertigen Übernachtungsangebotes. Aktuell werden 30 % der Hotelplätze von Vier- und Fünf-Sterne-Häusern bereitgestellt. Nautische und Golftouristen geben im Urlaub fünfmal mehr aus als Normaltouristen, die eher in Cala Ratjada oder in El Arenal zu finden sind und den Ballermann favorisieren. 2008 kamen 250 000 nautische Touristen nach Mallorca und brachten der Insel Einnahmen in Höhe von 400 Mio. Euro. Im gleichen Jahr spielten 100 000 Golfurlauber auf den heute insgesamt 24 Golfplätzen der Insel und bescherten ihr Einnahmen von 165 Mio. Euro. Beide Touristengruppen zusammen haben an der Gesamtzahl der Mallorcaurlauber einen Anteil von 4 %. In der Nähe der Yachthäfen und Golfplätze entstanden als qualitätstouristisches Ergänzungsangebot nicht nur luxuriöse Hotel-, sondern auch Apartment- und Wohnhausanlagen. Viele der nautischen und der Golftouristen kommen mehrfach im Jahr auf die Insel und kaufen sich hier ein. Dadurch wurden bis zur Finanzkrise 2008 auch der Residenzialtourismus und die zunehmende Bebauung der Landschaft mit Zweitwohnsitz angekurbelt.

Der Residenzialtourismus war und ist eine von der Balearenregierung gewünschte qualitätstouristische Entwicklung, von der man sich eine nachhaltige Förderung des Bau- und Dienstleistungssektors verspricht. Das wirtschaftliche Wachstum der letzten beiden Jahrzehnte entsprang auf Mallorca wie in ganz Spanien dann auch tatsächlich vor allem der Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Phasenweise glich Mallorca einer Dauerbaustelle, und es drängte sich die Frage auf, wer die riesige Käuferschicht bilden sollte, die notwendig war, um die entstandenen Apartments und Häuser zu kaufen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Mallorca wie auch die Costa del Sol in Andalusien eine Hochburg für die Umwandlung von internationalem Schwarzgeld in „sauberes“ Geld ist. Die wundersame Verwandlung illegaler Gelder in legales Vermögen erfolgte mit Hilfe von Immobilien, deren realer Wert – an den Finanzbehörden vorbei – unter der Hand gezahlt wurde, für die offiziell aber ein wesentlich geringerer Kaufbetrag verlangt und quittiert wurde. Insgesamt hat die Förderung des Immobilienmarktes dazu geführt, dass die Anzahl der Zweitresidenzen in einigen Gemeinden die der Erstwohnsitze deutlich übersteigt. Dies ist der Fall in Calvià, Andratx, Alcúdia und Santanyí, wo der Anteil an Zweitwohnsitzen mehr als 60 % beträgt. In der Gemeinde Calvià, auf deren Küstengebiet große massentouristische Zentren (z. B. Palmanova-Magaluf, Paguera und Santa Ponca) liegen, ist die in Zweitwohnsitzen vorhandene Bettenkapazität größer als die Kapazität von touristischen Unterkünften.